Diesmal wirklich: Wird Android zum Zweiklassensystem?



Auf meinen letzten Post, in dem ich erkläre, was Android Go ist, kam der Kritikpunkt, ich sei nicht auf die These in der Überschrift eingegangen, ob Android denn nun tatsächlich zum Zweiklassensystem werde. Ich habe darauf mit der Aussage reagiert, dies sei bereits als Follow-up-Post in Arbeit, was natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht gestimmt hat. Böse, Marc. Sehr böse. 😈

Da die Stuttgarter Nächte aber momentan sehr warm sind und ich vor halb 2 eh nicht zur Ruhe komme, dachte ich mir "Was soll's. Schreib ich den Artikel halt. Kann ja eh nicht schlafen." Und hier ist er:


2 Gründe zur Annahme, dass Android eine Art Zweiklassensystem werden könnte:

1. Android Go - Mit Android Go hat Google eine neue Parallel-Version von Android vorgestellt, die für leistungsschwache Geräte gedacht ist (alle Details dazu im letzten Post). So viel Courage Google damit auch für Drittewelthandys zeigen will, so viel Kontroverses ist auch dahinter: Android Go kommt nicht mit dem "normalen" Play Store, sondern mit einer speziellen Variante, in der es nur Lite-Apps gibt. Das ist im Grunde eine gute Idee, dass diese Smartphones auch nur besonders leichtgewichtige Anwendungen bekommt, aber von eben jenen gibt es momentan nur erschreckend wenige, zum Beispiel YouTube Go, Facebook/Messenger Lite und Shazam Lite. Mehr Apps fallen mir auch bei längerem Überlegen nicht ein.
Sollte Google tatsächlich nur diese Apps für Android Go bereitstellen, könnte das entweder stark eingeschränkte Möglichkeiten für Käufer solcher Geräte bedeuten, oder Android Go steht ein ähnliches Problem wie Windows Phone bevor. Die erste Möglichkeit davon würde dann tatsächlich bedeuten, dass arme Menschen, die sich kein besseres Gerät leisten können, deutlich weniger Apps zur Auswahl haben als die etwas reicheren Android-Nutzer. Ein Zweiklassensystem wäre geschaffen.

2. Google Pixel - Dieser Grund zur Annahme, dass ein Zweiklassensystem in Android entstehen könnte ist ehrlich gesagt etwas weit hergeholt, aber dennoch plausibel und durchaus möglich: Android hat ein Problem mit den Systemupdates. Bis auf wenige positive Ausnahmen ist es üblich - selbst bei High-End-Geräten - 3 bis 6 Monate auf ein Update zu warten, sofern man überhaupt eines bekommt. Samsung, HTC, LG und Co sind alle zusammen absolute Negativbeispiele wenn es darum geht, Smartphones über mehrere Jahre mit Updates zu versorgen. Google hat bereits über die letzten Jahre viele Versuche unternommen, die Hersteller davon zu überzeugen, zeitnah und über einen längeren Zeitraum hinweg Updates für ihre Geräte zur Verfügung zu stellen - bisher ohne Erfolg.
Die zwei neuesten Anläufe dieses Problem zu beheben sehen etwas anders aus: Der erste Versuch will das Android-System in 2 Teile zerlegen. Der eine Teil ist der Unterbau, in dem das eigentliche System beherbergt ist. Der andere Teil - der, den die Gerätehersteller modifizieren - ist nur eine Art Overlay. Wenn jetzt ein Update kommt, dann aktualisiert Google den Unterbau ohne das Overlay zu beeinflussen. Die Hersteller müssten also nur noch mínimal Hand anlegen und wären deutlich schneller mit den Anpassungen an dem neuen System fertig. Ob das in der Praxis funktioniert wird sich noch zeigen.
Der zweite Versuch hingegen ist das Google Pixel - Googles erstes eigens produziertes Smartphone. Da Google hier sowohl die Hardware als auch die Software kontrolliert versucht man ähnlich gute Ergebnisse wie bei Apples iPhone zu erreichen: Updates schneller und länger als auf jedem anderen Android-Smartphone bei gleichbleibender Performance. Dieser Mehrwert für den Nutzer hat jedoch seinen Preis: Ein Google Pixel (728€+ auf Amazon, Stand 29.05.2017) ist meist noch immer teurer als ein neues Samsung Galaxy S8 (662€+ auf Amazon, Stand 29.05.2017), und das obwohl das Pixel bereits seit dem 4. Oktober letzten Jahres auf dem Markt ist.


Der zweite Grund für ein Zweiklassensystem ist aber nicht annähernd so schlimm wie der erste, da er sich leicht beheben lässt, indem die Hersteller von Android-Smartphones sich einfach etwas schneller um die neuesten Updates kümmern. 
Tipp: Die von HDM Global aufgekaufte Marke Nokia verspricht, ihre Geräte so "close to Stock" zu halten wie nur möglich und schneller als alle anderen Hersteller Updates zu liefern. Sollte sich das tatsächlich bewahrheiten hätten wir einen neuen, kostengünstigen Nachfolger für die Nexus-Geräte gefunden. Wäre doch cool, oder?

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